Archive for November 2008

Kurztrip Fez, Marokko – Die märchenhafte Stadt oder wie lerne ich verkaufen

November 30, 2008

Samstag, 15. November 2008

Schon der Flug nach Fes ist seltsam….ein Baby mit einem unglaublichen Lungenvolumen, das es schafft auf einem 85-Minuten-Flug etwa 50 Minuten zu plärren…Unmengen von kopftuchtragenden Frauen mit riesigen Handgepäcksstücken, was die Flugbegleiterinnen zwar fast in den Suizid treibt, sie allerdings den blinden Passagier dennoch freundlich zu einem Sitzplatz bringen…und schlussendlich nach der Landung dieser Deutschmarokkaner, also eigentlich nur Marokkaner, aber den Stewardessen aufgrund des Verlustes seines (zu großen) Handgepäcks deutsche Schimpfwörter an den Kopf werfend. Durch die verschärften Einreisebestimmngen dieses Landes ist man gezwungen, ein Einreiseformular auszufüllen und sich in eine Schlange einzureihen…wo man oben erwähnten Marokkaner wieder trifft. Man unterhält sich mit diesem – schließlich ist die Wartezeit auch lange genug – und bekommt das Angebot eines großräumigen Taxis um die Distanz zum „Hotel Splendid“ gemütlicher zu überbrücken. Keine 20 Minuten auf marokkanischem Boden wird also schon gegen eine der vorher besprochenen Grundlagen „nicht mit jemandem mitgehen, der dich anquatscht“ agiert. Der inzwischen wieder besser gelaunte Marokkaner hat seinen Koffer gefunden und so wird man also zu einem Mercedes mit 350000 km gebracht. Nach einigem Hin-und-Her steigt man doch in diesen ein…hinten zu dritt, wie auch vorne…den Reisenden gelingt es schließlich nach etwa 20 Minuten im Besitz sämtlicher Organe das Taxi zu verlassen, dem Fahrer den zuvor abgemachten Preis von 120 Dirham (1 Dirham = 0,0894 EUR) zu übergeben und endlich das Hotel und nach weiteren Querelen mit dem Rezeptionisten auch die Zimmer zu betreten. Diese entsprechen durchaus westlichem Standard, werden aber dennoch nach kurzer Zeit schon wieder verlassen, was durch den wachsenden Hunger bedingt ist. Diesen stillt man dann in einem Nobelrestaurant, dessen Menüpreise sich von spanischen leider kaum unterscheiden, welches man nach Mitternacht, wenn schon nicht be-, dann doch ziemlich schlaftrunken wieder verlässt.

Von Fez08

Sonntag, 16. November 2008

Nach einem ausgiebigen marokkanischen Frühstück, dessen Bestandteil neben Kaffee, Weißbrot und Orangensaft auch weißes Erdbeerjoghurt ist, macht man sich auf den Weg in die Altstadt (Medina). Hierzu ist allerdings ein Stadtplan notwendig…welcher im Nachhinein auch nur wenig bringt denn…a) Marokko = arabisches Land –> arabische Schrift –> Ratlosigkeit und b) Medina = sehr verwinkelt –> keine genauen Angaben im Stadtplan…

Dennoch scheint es man hat aus begangenem Fehler gelernt, so wird das Angebot sich um 100 Dirham durch die Medina führen zu lassen abgelehnt. Auf dem Weg dorthin müssen allerdings noch einige Schwierigkeiten sowohl orientalischer als auch orientierungstechnischer Natur überwunden werden. Und so geschieht es, dass kurze Zeit später auch gegen das Gebot „Iss kein Obst von Ständen neben der Straße“ verstoßen wird.
Beim Eingang zur Medina angekommen, werden die Reisenden zuerst von Kindern bestürmt, was dem Keksvorrat der Vier nicht gerade zuträglich ist (vgl. Schletterer, 2004, o.O.: Die Taube im Wandel der Zeit. Biologische und historische Variationen). Geistesschwach durch diese Belagerung, begehen die Reisenden schließlich den Fehler, sich von einem „official guide“ (Zitat: „There is police, you can control me if you want“) zum Preis von 150 Dirham zu einer Führung überreden zu lassen. Was mit dem Besuch einer Koranschule beginnt, führt schließlich über eine Hausbäckerei, eine Gerberei und einen schönen Ausblick über die Altstadt von Fes zu einem Teppichproduzenten…man ahnt wie es weitergeht, glaubt allerdings dennoch an das Gute im Menschen…vergebens. Und so gelingt es dem mittlerweile besser als Teppichverkäufer betiteltem Menschen dreien der Vier einen Teppich anzudrehen. Immerhin, von anfänglichen 85 Euro konnte die Transaktionssumme auf 35 gesenkt werden. Dieses bedeutet auch das Ende des Sightseeings und so wird man vom „official guide“ wieder zum official Ausgangspunkt der Tour gebracht.

Anschließend wird der Souk etwas näher unter die Lupe genommen und des Weiteren der Besuch eines Hamams für den Abend geplant. Hierbei sei verwiesen auf Helmut von Moltke: „Der Badewärter schreitet zu einer ganz eigentümlichen Prozedur. Der ganze Körper wird gerieben und alle Muskeln gereckt und gedrückt. Der Mann kniet einem auf der Brust oder fährt mit dem Knöchel des Daumens über das Rückgrat; alle Glieder, die Finger und selbst das Genick bringt er durch eine leiche Manipulation zum Knacken. Hier sprudelt klares Wasser in Marmorbecken, und zwar nach Belieben, aus zwei Hähnen, warmes und kaltes. Mittels eines großen Quastes aus den Fasern der Palmrinde seift er seinen Mann vom Scheitel bis zur Fußsohle, Haare, Gesicht, alles ein, und mit wahrem Vergnügen gießt man sich dann das kalte Wasser über Kopf, Brust und Leib“ (gekürzt)

Mit hochroten Kopf wie selten zuvor erholt man sich kurz im Hotel, wo angefallene Schulden beglichen werden. Anschließend gibt man sich beim Kebapstand an der Ecke nicht nur köstlich nach Lampenöl schmeckenden Brot hin, sondern auch dem Film „Superman Returns“ (2006).

Montag, 17. November 2008

Am zweiten Tag der Woche (الاثنين = al-ithnayn ) wird der neuere Teil der Stadt begutachtet, unter anderem das Touristenbüro und ein Einkaufszentrum, welches die Reisenden per Taxi erreichen. Geschockt von den Preisen auf westlichem Niveau begibt man sich in anliegendes Bistro, wo der mittägliche Hunger gestillt wird, was sich in einer Rechnung von 290 Dirham niederschlägt. Doch noch fehlt ein echtes Souvenir, mal abgesehen von den Teppichen. So begibt man sich wieder Richtung Souk, wo man hofft fündig zu werden. Leider verstoßen die Vier (wieder mal) gegen die Regel mit niemandem mitzugehen, was schließlich dazu führt, dass sich sich kurze Zeit später im Gewirr des Judenviertels wiederfinden und sich nur mit 50 Dirham und einer Schachtel Marlboro den Weg in die Freiheit erkaufen können. Doch wer nun glaubt, man habe daraus gelernt, der irrt. Beim Versuch eben erlebten Adrenalinschock mit dem Genuss süßer Bäckereien wegzustecken, wird man von einer seit zwei Jahren in Marokko lebenden Deutschen angesprochen, deren Redeschwall schier unermesslich scheint. Und so passiert es, dass einer der Reisenden auf die Frage: „Wollt ihr unser Haus mal sehen?“ ohne nur eine Sekunde darüber nachzudenken mit „Ja, gerne!“ antwortet. So findet man sich bald in einer Sackgasse wieder und muss oben erwähnten Redeschwall weiter über sich ergehen lassen. Themen wie Mindestlohn, Fußballskulpturen, Hornhauttransplantationen, importiertes Katzenfutter, Schildkröten und Tierärzte, nichts davon wird ausgespart. Trotz alledem gelingt es den Reisenden vor Einbruch der Dunkelheit wieder aus den Gemäuern von Ursula zu verschwinden. Noch mal Glück gehabt.

Die darauffolgenden Versuche die Staatseinnahmen Marokkos zu erhöhen, schlagen aufgrund der mangelnden Verhandlungsbereitschaft der Verkäufer leider fehl. Da sich die Geldvorräte der Reisenden trotzdem verknappen, ist die Wahl eines geeigneten Platzes für ein Abendessen etwas schwierig. Schließlich wird man doch fündig und um 155 Dirham auch gesättigt.

Dienstag, 18. November 2008

Am letzten Tag des Marokkotrips hat man nicht viel vor. Also lässt man sich in einem völlig überteuerten McDonalds (Happymeal um 27 Dirham) nieder. Nach dem Einkauf der letzten Souvenirs wie etwas Taschen oder Arabischbüchern beschließt man noch einmal zu zuvor erwähntem Lampenöl-Grillstand zu gehen. Um vier Uhr verabschiedet man sich vom Rezeptionisten und wird wieder out of Fes City gebracht. Und am Flughafen wird von neuem versucht die Vier abzuzocken, als der Taxifahrer entgegen dem zuvor vom Hotel bekannt gegebenen Preis von 150 Dirham 200 verlangt. Da die Reisenden all ihr marokkanisches Geld bereits investiert hatten, bleibt dem Taxler allerdings keine andere Wahl, als die gebotenen 150 Dirham zu akzeptieren und beleidigt von dannen zu ziehen. Nach dem Heimflug mit einem schwedischen Piloten („Your captain today is Captain Kirk…“) ist man zurück in Spanien zwar geschockt seinen Atem zu sehen, dennoch freut man sich wieder in einem Land zu sein, in dem Erdbeerjoghurt die Farbe hat die es verdient und man noch auf anständige Art und Weise bestohlen wird.

(auch wenn ich nicht ganz unähnlich geschrieben hätte ist der schöne Text doch von Christian L., einem der Mitreisendem und meinem zum Glück nicht schnarchenden Zimmerkollegen. Man erkenne den Thomas Glavinic Stil)

Advertisements